Auszug aus dem Schwedischen Biographischen Lexikon

(Svenskt Biografiskt Lexikon)

unter der Redaktion von Göran Nilzén, Band 27, Stockholm 1990-1991.

 

Nordh, Joel Bernhard,

Geboren am 19. April 1900 in Björklinge, Uppsala Län, beerdigt am 9. August 1972 in der Domkirche Uppsala. Sohn der Selma Bolin. Giesser, Sägereiarbeiter, Schienenleger, Holzfäller und Torfstecher 1914-29. Schriftsteller.

Verheiratet 1) am 5. März 1932 (-62) mit Helga Kristina Bergsten in Uppsala, geboren den 26. April 1899 in Torsång, Kopparbergslän, Tochter der Hanna Kristina Bergsten; 2) 19. November 1962 in Sigtuna mit Anna Torine (Anna-Tine) Maria Albinette Jonsson, geboren den 12. Juli 1915 in Stockholm, Maria, Tochter des Händlers Oskar Albin Emanuel Jonsson und der Antoinette Torine Charlotte Torines sowie früher verheiratet mit Georg Jarl Vilhelm Andersson.

Bernhard Nordh wurde von einer alleinstehenden Mutter geboren und verbrachte seine ersten Lebensjahre bei seinen Grosseltern, einem Landbriefträger und seiner Gattin, einer lesinteressierten Lehrerstochter. Als Nordh 6 Jahre alt war, verheiratete sich seine Mutter mit einem einundzwanzig Jahre älteren Landarbeiter, der ihn adoptierte und ihm seinen Nachnamen schenkte. Die Landarbeiterfamilie diente in der Strömbergslandwirtschaft im nördlichsten Uppland. Die Geschwisternschar nahm zu. Das Landarbeiterleben aus Kindersicht schildert Nordh u.a. im Erstlingswerk ”Segensreiche Erde” (Jorden är god, 1936). Nach fünf Jahren Folksschule und der Konfirmation 1914 trat Nordh als Handlanger in eine Giesserei in Tierp ein. Später arbeitete er in verschiedenen körperlich anstrengenden Berufen, u.a. als Schienenleger und Torfstecher. Politisch entwickelte er eine syndikalische Richtung und wurde zeitweise als Aufrührer auf die Schwarze Liste gesetzt. Er studierte u.a. schwedisch und englisch auf dem Korrespondenzweg. Im Herbst 1919 zog Nordh nach Jämtland, um seinen Traum als Bärenjäger in der Wildnis verwirklichen zu können. Den Ausgang jener schmählichen Reise schildert er in dem teilweise autobiographischen Werk ”In meiner grünen Jugend” (I min gröna ungdom 1951).

Sein literäres Debut machte Nordh als Novellist in der Wochenpresse 1926, und gemäss eigener Buchführung verfasste er 369 Novellen bis 1942. Im Jahr nach dem Erstlingsroman 1936 gelang ihm der publizistische Durchbruch mit der Nordlandsschilderung ”Schatten über der Marshalde” (I Marsfjällets skugga), der bis zu seinem Tod weitere 26 Romane folgen sollten. Viele der Bücher Nordhs sind Fortsetzungsromane und beschreiben das Leben auf dem Land oder in der Wildnis; im zweiten Falle oft mit Schwergewicht des Ansiedlerlebens. Im Roman ”Kampf mit dem Schicksal” (Kämpa med ödet 1944) schildert er, teilweise selbstbiographisch, das Dasein eines Vagabunden auf dem Land und im leicht kriminellen Milieu der Grossstadt. Nordhs Bücher sind spannend und leicht zu lesen und beinhalten sowohl romantische Liebe als auch mehr handfeste, realistische Jagdabenteuer. Sie erreichten eine weite Verbreitung; u.a. kamen fünf von ihnen in der Volksbuchserie ”Volk im Bild” zwischen 1940-52 heraus. Seine Werke führten auch mehrere Jahre die Hitliste der geliehenen Bücher der Bibliotheken an: Noch 1989 lag Nordh auf dem fünften Platz der schwedischen Erwachsenenschriftsteller mit 180’000 Ausleihen von 26 Werken.

Nordh wurde durchgehend als Populärschriftsteller angesehen und deshalb schonungslos von den Kritikern behandelt, möglicherweise mit Ausnahme des früh erschienenen ”Schatten über der Marshalde”. Jack London war sein grosses Vorbild und Idol, vor allem was Wildnisbeschreibungen angeht, aber auch bei den Beschreibungen der Slumgebiete in ”Kämpa med ödet”. Nordh ist gemäss Rehn jener schwedische Schriftsteller, der ”am meisten an Jack Londons ganze Verfasserschaft anknüpft.” Sein Bildungsweg war merkwürdig und als Leslichkeitsphänomen ist er von grossem Interesse.