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Leseprobe aus ”Schatten über der Marshalde”: |
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...”Die
B... Büchse!” keuchte er plötzlich. Die Büchse! Paul
zuckte wie unter einem Schlag zusammen. Die Büchse... die lehnte dort...
ob er...? Aber der Vater hatte ihnen verboten, die Waffe anzurühren.
Einige Sekunden lang kämpfte er... doch dann reichte er Aaron den Stab,
schritt mit grossen Schritten der Büchse zu und ergriff sie. Sie wog
schwer. Er konnte sie kaum halten. Die Büchse wirkte wie eine kleine
Kanone in seinen Händen. Die
kleineren Geschwister verstummten, als Paul die Büchse ergriff. Das war
etwas so unerhört dreistes und unfassbares, dass sie vor Erstaunen zu
weinen aufhörten. Aaron drohte und schlug mit dem Stab gegen den
unsichtbaren Feind, und in der Zwischenzeit kroch Paul hinunter an die
Seite eines Felsblocks. Sein Herz pochte wild und der Schweiss rann. Dann
lag er still und der graue Blick spähte scharf und feindlich hinauf zu
den Felsklüften, von denen Aaron vor kurzem gesagt hatte, dass es sich
dort gerührt hatte. Ein
paar Sekunden später stürzte der Vielfrass den Abhang hinunter... eine
rollende, braune Masse von Fleisch und Blut, und in einem Augenblick wurde
das unruhige Geblöke der Schafe durch einen Schuss übertönt, der gegen
den Berg hallte und in einem dumpfen Echo in die Wildnis hinaus dröhnte. Paul
lag keuchend auf der Seite. Er hatte das Gewehr zu schlecht an seine
Schulter gepresst und einen gewaltigen Schlag erhalten, als die Waffe vom
Rückstoss zurückflog. Aber er lag da nur ein paar wenige Sekunden. Dann
erhob er sich. Den
Schuss hören, seine Packung abwerfen und zurückspringen, war das Werk
eines Augenblicks für Pålsson. Was war geschehen? Hatte eines der Kinder
verbotenerweise an der Büchse gefummelt, oder, oder...? Der Mann lief, übersprang
Steine und eilte zwischen Felsbrocken, schnaufend wie ein gehetzter
Elchstier. Als
Pålsson das Lager erreichte, fand er alles so vor, wie es sein sollte.
Die Schafe weideten und die Kinder waren ums Gepäck geschart. ”Wer...
wer hat die Büchse angerührt?” schnaufte er. ”Ich!”
antwortete Paul zitternd. Er fühlte sich so klein und jämmerlich in
diesem Augenblick. Die Büchse angerührt ohne Erlaubnis! ”Ein
Vielfrass ist gekommen!” schwatzte Aaron eifrig. ”Paul hat ihn erlegt!” ”Ein
– ein Vielfrass?” ”Er
liegt dort oben!” Aaron deutete den Berg hinauf, und Pålssons scharfe
Augen entdeckten etwas unterhalb einiger Steine. Wortlos kletterte er
bergauf. Der
Mann stand einige Momente und holte tief Luft, als er vor der geschossenen
Bestie stand. Das war ein altes, grosses Männchen von der Art, die nichts
fürchtete, und Pålsson kannte zur Genüge die blutigen Gewohnheiten der
Vielfrasse. Hier hätte etwas schreckliches passieren können. Er strich
sich über die Stirne, aber dann war es, als weitete sich seine Brust bis
zum zerspringen. Er hatte einen Sohn... einen Sohn, der einen Vielfrass
mitten im Lauf erlegt hatte! Er warf einen Blick hinunter und begann dann,
das Tier zu häuten. Der Auszug stammt aus der schwedischen Ausgabe des Romans ”Schatten über der Marshalde”, Kapitel VI. Dieses Werk wurde Bernhard Nordhs grosser Erfolgsroman, der zu hunderttausenden von Exemplaren verkauft und in fünf ausländische Sprachen übersetzt wurde. Die Deutschübersetzung besorgte Rolf Egger, Vilhelmina.
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